Alpkultur, Dreistufenlandwirtschaft und Alpabtrieb
Die Alpkultur Vorarlbergs ist gelebte Landwirtschaft und prägt zugleich die sichtbare Berglandschaft. Im Bregenzerwald ziehen Bauernfamilien mit dem Vieh im Jahreslauf von den Talhöfen über das Vorsäß hinauf auf die Alpe. Die Österreichische UNESCO-Kommission führt die Dreistufenlandwirtschaft seit 2010 als immaterielles Kulturerbe. Die hofeigenen Flächen allein reichen meist nicht für die ganzjährige Versorgung des Viehs mit silofreiem Futter; Vorsäß und Alpe ergänzen sie im Jahreslauf. Die saisonale Bewirtschaftung hält Alpwiesen offen und pflegt die Kulturlandschaft.
Vom Vorsäß zur Hochalpe
Im Spätfrühling wechselt das Vieh zunächst auf das Vorsäß; etwa Anfang Juli geht es weiter auf die Alpe. Dort verbringt das Vieh den Sommer auf höher gelegenen Weiden. Im Herbst kehren die Tiere zu den Heimbetrieben zurück. Die Nutzung der verschiedenen Höhenstufen hält Wiesen offen und verbindet Landschaftspflege mit der Herstellung regionaler Milchprodukte. Das Wissen um Weidenutzung und Alparbeit wird in den Bauernfamilien über Generationen durch Vorzeigen, gemeinsames Arbeiten und mündliche Überlieferung weitergegeben. Heumilch, Bergkäse und Alpkäse gehören zu dieser Wirtschaftsweise; im Montafon ist Sura Kees eine besondere Käsetradition. Saisonale Produkte erzählen damit von der jeweiligen Region und ihrer Landwirtschaft.
Der Alpabtrieb markiert die Rückkehr des Viehs und wird in vielen Vorarlberger Orten mit Festen begangen. Die Veranstaltungen finden je nach Ort zwischen Ende August und September statt; der genaue Termin hängt auch von Witterung und Alpabfahrt ab. Sennereien und bewirtschaftete Alpen ergänzen den Besuch mit Einblicken in die saisonale Arbeit und regionale Käseherstellung.
Alpkultur respektvoll erleben
Im Bregenzerwald geben Sennereien und das KäseStrasse-Netz Einblicke in Heumilch, Bergkäse und die Dreistufenbewirtschaftung. Im Montafon verbindet sich die Alpwirtschaft mit der Herstellung von Sura Kees. Wanderwege führen durch Weidegebiete, die zugleich Arbeitsflächen der Alpbetriebe sind; Vieh und landwirtschaftliche Wege prägen die sommerliche Kulturlandschaft.
Zur kulinarischen Seite passt der Beitrag über Vorarlberger Küche und Spezialitäten. Die KäseStrasse und ihre Besuchsangebote vermittelt konkrete Einblicke in Verarbeitung und Reifung. Ergänzend ordnet der Kultur- und Geschichtsüberblick lebendige Traditionen ein; die Regionenübersicht zeigt, wie unterschiedlich die Kulturlandschaften ausfallen.