Propstei St. Gerold: ein geistliches Zentrum im Großen Walsertal
Am Eingang des Großen Walsertals verbindet die Propstei St. Gerold geistliche Geschichte mit einer bis heute genutzten Anlage. Als Gründungsjahr gilt 960; die Propstei ist eng mit dem Kloster Einsiedeln verbunden. Die Kernbauten stammen der Kirche und Propstei zum größten Teil aus dem frühen 13. Jahrhundert. Geringe Reste von Vorgängerbauten aus dem 10. Jahrhundert sind im baulichen Kern erhalten. Diese Abfolge macht sichtbar, wie ein religiöses Zentrum über Jahrhunderte gewachsen ist.
Ein Ensemble aus mehreren Bauzeiten
Die Kirche und Propstei wurden in der Gotik, der Barockzeit, dem Historismus und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erweitert und umgebaut. Um die Kernbauten gruppieren sich Wirtschaftsgebäude; ein 1695/96 errichteter Bau diente zunächst als Rossstall und Remise. Der Rossstall wurde aus Bruchsteinmauerwerk errichtet, die Remise in Fachwerk; beide Gebäudeteile teilen sich einen Dachstuhl. Auch spätere Nutzungen hinterließen bauliche Spuren. Heute verbindet die Anlage geistliches Leben mit Kultur, Begegnung und Seminaren.
Die Propsteikirche ist schlicht und klar gestaltet. Ihre Raumform, die Kunstwerke und eine spirituelle Wohnecke geben dem Innenraum einen eigenständigen Charakter. Behutsame Sanierungen und Ergänzungen des Architekturbüros Hermann Kaufmann sowie des Lehmbauers Martin Rauch bewahren historische Substanz und setzen zeitgenössische Akzente. Werke von Künstlern wie Ferdinand Gehr, Hugo Imfeld und Fridolin Dummeisen ergänzen Kirche und Gnadenkapelle.
Als geistliches Zentrum gehört die Anlage zur Kultur und Geschichte Vorarlbergs und prägt bis heute das Große Walsertal.
Überlieferung und Begegnung
Die Propstei führt die Legende von Gerold und dem Bären als Teil ihrer lokalen Tradition. Das Bild des Einsiedlers, der dem verfolgten Tier Zuflucht gewährt, steht für die enge Verbindung von Ort, Natur und geistlichem Leben in der Überlieferung. Die Anlage selbst ist zudem ein Kultur- und Begegnungszentrum mit Veranstaltungen, Ausstellungen, Seminaren und Führungen. 1958 wurde die Propstei in eine offene Begegnungsstätte umgewandelt. Der ruhige Charakter der Propstei passt zum weiten Landschaftsraum des Alpenraums Bludenz.